Denglisch - Ein Englishman in der Eifel  

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Ein Englishman in der Eifel

Haben Sie heute schon ein Date gecancelt, ein File von einem Webserver downgeloaded oder per Hotline Ihre Favourites gevotet? Nein? Halb so schlimm, dann hauen Sie sich einfach ordentlich Bacon auf Ihre Pancakes und relaxen beim Lesen dieses Features. Ich soll damit aufhören? In Ordnung, schließlich irritiert „Denglisch", die Vermischung von Deutsch und Englisch, zwei Drittel aller Deutschen. Und nicht nur sie.

Mein bester Freund ist ein Engländer aus der schönen Graf­schaft Leicestershire. Er heißt Tim, und er hat, seit wir uns kennen, schon ein paar Brocken Deutsch gelernt. Tim ist, wenn er mich in der Eifel besucht, hin und wieder recht verwirrt, wenn ich ihm erklären muss, dass es in einem Bodyshop keine menschlichen Leiber zu kaufen gibt, dass ein Angelshop keine Engel anbietet, sondern Angelruten und Köder, und dass ein Backshop kein Hinterladen ist. Er scheint es begriffen zu haben, denn bei seinem letzten Besuch, als wir im Trierer „Ratskeller" essen waren, rückversicherte er sich nur kurz bei mir, dass in diesem Restaurant auch gewiss keine Ratten serviert würden.

Tim fiel als einem der Ersten auf, dass zusammen mit dem Kreisverkehr auch das Wort „roundabout", die englische Bezeichnung für den Kreisel, in deutschen Landen Einzug gehalten hat. Was ihn daran verdutzte war, dass er nie dahinter kam, was die Deutschen ausdrücken wollten, wenn sie das Wort benutzten. „Das macht so roundabout 500 Euro", postulieren deutsche Verkäufer so gerne, meinen dabei „ungefähr", sagen aber letztlich „Kreisverkehr". Wen wundert's, wenn Tim da nicht mehr mitkommt. Ganz unwohl zumute wird Tim, wenn wir Deutsche uns Body-Bags kaufen und zum Public-Viewing gehen. In seiner Sprache bedeutet dies nämlich, dass wir uns Leichensäcke kaufen und zu einem aufgebahrten Leichnam gehen. Wo Tim herkommt, nennt man einen erfolgreichen Jungschauspieler auch nicht Shooting Star, denn damit würde man ihn zu einer kurzlebigen Sternschnuppe degradieren, und ein Kickboard gehört für ihn nicht auf die Kölner Domplatte, sondern ins Hallenbad, weil es nun einmal ein Schwimmbrett ist.

Nun, dies sind zumindest aber Begriffe, die der gute Tim kennt. Welch ein Gaudi ist es dann, wenn meine Landsleute englische Worte verwenden, die ihm völlig unbekannt sind. Glauben Sie es oder nicht, aber Beamer, Dressman und Talkmaster existieren im Englischen nicht. Statt dessen sieht Tim in seinem Versuch zu erkennen, was der Sprecher meinen könnte, vor seinem geistigen Auge einen Sternenflottenoffizier im Transporterraum der Enterprise, einen irgendwie tuntigen Superhelden und einen Weltmeister im Dummschwätzen. Wenn ich ihm dann sage, dass ein „digital projector", ein „male model" und ein „talkshow host" gemeint waren, dann hält er für gewöhnlich den Zeitpunkt für günstig, seine britische Fassung zu verlieren und lachend vom Stuhl zu fallen.

Ich gestehe, dass ich gar nicht anders kann als mitzulachen.