Literatuä - Der Alex und ich - Kapitel 8  

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Episode 7

 

 

 

Übersicht

 

 

 

Episode 9

 

                                       

 

Der Alex und ich – Die weltbesten Luftzischenlasser

Episode 8: Ein Marsch durch unser Territorium

Alex und ich marschierten unterdessen in unser beliebtestes Freizeitgebiet, nämlich die ausgedehnten Wälder in der Nähe. Dazu gingen wir vom Sportplatz hinunter zum „Spar-Geschäft“. Dort gegenüber, jenseits der „Lissinger Straße“ floss der Rasbach. Er unterquerte ein paar Meter weiter die Straße in einer – von Kindern gut begehbaren – Röhre und floss dann parallel zu den Reihenhäusern in Richtung „Kyll“, dem Fluss, der durch Gerolstein fließt.

Wir überquerten die Straße und sprangen über den Bach, der im Spätsommer meist sehr wenig Wasser führte. Hinter dem Bach schloss sich eine große Wiese an, und an die Wiese wiederum ein eingezäuntes Stück Privatwald, in dem der Besitzer manchmal seine Schafe, Ziegen und Pferde laufen ließ. Wir kannten stets irgendein Loch im Zaun, um in diesen Wald zu gelangen, denn es gab dort einiges, dessen wir habhaft werden wollten. Innerhalb des Zaunes standen nämlich, schön unterteilt, Lärchen, Fichten, Kiefern und ein paar Obstbäume. Die Obstbäume trugen Augustäpfel und unter den Nadelbäumen fanden wir im Herbst immer Butterpilze, Kiefernreizker und Goldröhrlinge.

Diesmal gingen wir jedoch rechts an dem Wald vorbei, den Waldweg entlang, der von dort aus bergauf führte. Auf halber Höhe stiegen wir rechts ins Gebüsch, denn dort stand der „Adlerbaum“, eine alte, krumm und knorrig gewachsene Kiefer. Dies war für uns traditionell der Ort, an dem wir Pause machten. Wir machten dann beide meist ein großes Geschäft und wischten uns den Hintern mit Ahornblättern ab. Wie oft warteten wir, bis uns beide ein großes Geschäft drängte, nur um dann zum Adlerbaum zu gehen und es zu verrichten! Diesmal hatte jedoch nur Alex Stuhlgang. Somit war es meine Aufgabe, ihm die nötige Anzahl Ahornblätter zu reichen.

Danach verfolgten wir den Weg weiter nach oben, wo wir schließlich in einen Fichtenwald hineintraten. In diesem Wald hatten wir mal mit unseren großen Brüdern und deren Freunden eine Hütte zu bauen versucht. Die stürzte aber bereits während der Bauphase zusammen und wurde deshalb von uns aufgegeben.

Wir gingen langsam zwischen den Fichten durch. Obwohl die Fichten bereits recht hoch waren, ließen sie wenig Licht durch ihre Kronen. Es war jedes Mal eine märchenhafte Stimmung, fand ich. Ich war immer sehr gerne hier.

Wir suchten eine Weile nach „Messerschmitt“. Messerschmitt war ein Stück aus einem Fichtenstamm, oben gerade und unten schräg abgesägt, etwa 80 cm lang. Dazwischen saßen einst zwei Äste nebeneinander, die jetzt ebenfalls abgesägt waren. Das Ganze sah aus wie das Gesicht eines Dämons. Er stammte noch aus der Zeit des oben genannten Hüttenbaus, denn wir hatten ihn damals hier versteckt. Wir nannten ihn Messerschmitt, und das aus Gründen, die mir heute nicht mehr bekannt sind. Leider fanden wir Messerschmitt nicht mehr. Er musste wohl irgendwann von den Waldarbeitern weggeräumt worden sein.

Zu unserer Freude fanden wir aber eine ganze Menge Stinkmorcheln. Das sind Pilze, die im frischen Zustand mit einer glibberigen, grünen und bestialisch nach Aas und Abwasser stinkenden Masse bedeckt sind. Wir benutzten sie gerne, um anderen Kindern damit übel mitzuspielen – insbesondere unseren Feinden (kann man sich vorstellen, dass wir welche hatten?). Wir steckten ihnen die Stinkmorcheln von hinten tief in den Kragen und schlugen ihnen dann „freundschaftlich“ auf den Rücken, so dass die Pilze zu Brei zermalmt wurden. Es war jedes Mal ein Mords-Gaudi – für uns! Aber bestimmt nicht für unsere Opfer. Wir freuten uns über dieses neu entdeckte Stinkmorchel-Arsenal und beschlossen, wieder hierher zu kommen, wenn die Zeit reif war und wir gegen wen auch immer mobil machen mussten.

Dann gingen wir weiter, tiefer in den Wald hinein. Nach einer Weile endete der Fichtenwald und ging abrupt in einen Buchenwald über. Gleichzeitig bekam der Boden immer stärkeres Gefälle, denn der Berg fiel nun wieder ab bis hinunter zur Kyll. Auf halber Höhe befand sich wieder ein Waldweg. Wir folgten ihm nach rechts, denn der Hang wurde nun zu steil, um ihn weiter hinunter zu laufen. Der Weg führte wieder zurück nach Gerolstein, man konnte aber schließlich wieder nach links auf einen Weg abbiegen, der entlang der Eisenbahn zurück zum Fuß dieses bewaldeten Abhangs führte. Dort befand sich jedoch nicht die Kyll, das heißt, sie befand sich früher einmal dort. Nun floss sie jenseits der Bahnlinie und hinterließ am Fuße des Abhangs einen Altwasserteil, der keine Verbindung mehr zum Fluss hatte. Im Sommer und Spätsommer war das Wasser sehr seicht, doch wenn im Herbst der Regen wieder verstärkt einsetzte, wurde dieser Altwasserteil wieder ein ordentliches Gewässer. Von Mai bis Mitte Juni fanden wir hier massenweise Froschlaich, danach Kaulquappen und schließlich Frösche. Für jedes dieser Stadien hatten wir Verwendung. Wegen des Froschlaichs nannten wir dieses Gewässer „Glitschi“.

Unmittelbar am Ufer des Glitschi begann der bewaldete Hang, dessen unterer Bereich uns wie gesagt zu steil war um ihn hinunter zu gehen, und wenn man ihn anders herum vom Glitschi aus hinaufsteigen wollte, musste man sich schon auf allen Vieren bewegen. Bei nasser Witterung war das jedoch nahezu unmöglich. Trotzdem hatten wir es einmal versucht. Aber das ist eine andere Geschichte.

Nachdem wir den Glitschi inspiziert hatten, machten wir uns auf den Heimweg. Als wir am Spar-Geschäft ankamen und in die lange Straße einbogen, waren wir uns einig, einen erfolgreichen Tag verbracht zu haben.

Am Ende der Straße angekommen, erlebten wir eine Überraschung, mit der wir nicht gerechnet hatten. Zu unserer großen Verwunderung stellten wir fest, dass Ossett sich höchst offensichtlich aus seinem Gefängnis befreit hatte und wieder auf der Straße spielte. Wie er zurück gefunden hatte, war uns schleierhaft.

Aber die Idee hatte doch prächtig funktioniert: Ossett wurde daran gehindert uns zu folgen, nahm dadurch aber keinen Schaden. Wir wandten diese Methode von da an häufiger an. Ossett fand jedoch jedes Mal unversehrt zurück, wenn auch manchmal recht spät am Tage.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Episode 7

 

 

 

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Episode 9