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Der Alex und ich
– Die weltbesten Luftzischenlasser
Episode 5: Mühlnweldschen,
Buhnt-Buhnt und Schwieböppöh
Es
wurde bereits erwähnt, das ich nachts grundsätzlich von
Schreckgespenstern aufgesucht wurde. Entweder erschienen sie mir im
Traum, oder ich sah sie im Halbschlaf in meinem Zimmer. Diese Wesen
entsprangen alle meiner Phantasie. Es wäre jedoch falsch anzunehmen,
dass ich sie mir bewusst ausgedacht hatte. Sie erschienen ganz einfach
ohne mein Zutun. Ich hätte damals alles dafür gegeben, dass sie mich
endlich in Ruhe ließen, so sehr fürchtete ich mich vor ihnen.
Die
Schutzmaßnahmen, die ich ergriff, wurden auch schon erwähnt: Zum
Ersten vermied ich es strikt, die Namen dieser Wesen tagsüber und
insbesondere vor dem Schlafengehen auszusprechen, denn das hätte sie
nachts garantiert auf den Plan gerufen. Zum Zweiten mussten meine Eltern
abends das Flurlicht angeschaltet und meine Zimmertür offen lassen,
denn Lichtkontakt war diesen Gespenstern absolut abträglich.
Dummerweise gingen meine Eltern irgendwann selber zu Bett und knipsten
das Flurlicht aus. In der Dunkelheit aber ließen die Gespenster nicht
lange auf sich warten, und die offene Zimmertür, die mich eben noch schützte,
wurde nun zu einem Problem, denn durch sie konnte ich im Zwielicht in
den dunklen Flur hinaussehen, wo es noch viel schauriger zuging.
Da
ich am Tage ein alberner Clown und Possenreißer war, nahmen meine
Eltern meine Angst vor der hereinbrechenden Nacht nicht sonderlich
ernst. Jeden Abend sagte mein Vater: „Ja, ja. Tagsüber frech wie
Dreck, aber nachts Schiss in der Bux.“
Um
zu verdeutlichen, welche Ängste ich damals ausstand, möchte ich die
wichtigsten Gespenster hier kurz vorstellen.
Als
Anführer der Monsterbande und mit mindestens einem Dutzend
Heimsuchungen (an die ich mich heute noch erinnern kann) war „Mühlnweldschen“
der Schlimmste von allen. Sein Name ist die verschluderte
Ausprache von „Mühlenwäldchen“. Wenn meine Mutter mich
damals mit in die Stadt nahm, gingen wir immer durch das „Mühlenwäldchen“.
Ich verstand dieses Wort noch nicht, sondern brachte es in
Verbindung mit dem kurz nach dem Wäldchen auftauchenden
Glockenturm der Erlöserkirche, den ich als ziemlich unheimlich
aussehend empfand. So erklärt sich auch die Ähnlichkeit Mühlnweldschens
mit diesem Kirchturm.
Ich
brauchte nur seinen Namen auszusprechen und schon kam Mühlnweldschen
angesprungen. Er war sehr hart, ähnlich dem Original-Kirchturm.
Wenn er angesprungen kam, gab es ein Geräusch, das sich wie „kocko-kocko-kocko...“
anhörte. Oft hörte ich ihn schon, bevor er erschien. Schließlich
sprang er mich an und schlug mit seinem Leib auf mich ein. Oft
erschien er aber auch, ohne dass ich ihn nannte. Dann stand er
plötzlich nachts in meinem Zimmer und machte schauerliche Geräusche.
Sein Erscheinungsbild war recht variabel, ebenso seine Größe,
jedoch war er immer an seinen drei „Rundbogenfenstern“, die
ihm als Augen dienten, zu erkennen.
„Buhnt-Buhnt“
brauchte grundsätzlich auch einen Auslöser um zu erscheinen:
Es war das Herausstrecken der Zunge, verbunden mit einem „Bäh!“.
Buhnt-Buhnt hatte meist die Form eines gleichschenkligen,
schlanken Dreiecks, doch manchmal variierte seine Form. Seine
Farbe war stets ein einheitliches leuchtendes Orange. Sein Name
ist die Interjektion des dumpfen Geräusches, das er auf seinem
Weg durch die Luft ständig von sich gab. Sein Erscheinen gab
reichlich Grund zur Beunruhigung, denn sobald er nahe genug war,
stürzte er sich auf mein Ohr und kratzte mit seiner oberen
Spitze darin herum. Das klang dann wie „rölleröck!“. Da
dies für mich sehr furchteinflößend war und ich mich an sechs
Heimsuchungen erinnern kann, stand er dem Mühlnweldschen nicht
viel nach.
Der
heimtückische „Schwieböppöh“ brauchte kein Kommando zum Auftauchen. Er
erschien stets in Hausfluren, um sich von dort aus in ein Zimmer
zu stürzen und sich auf sein Opfer zu schmeißen. Seine Form
ist die eines Papierdrachens. Er ist halbseitig tiefschwarz,
ansonsten dunkelblau. Dazu zeigte er für gewöhnlich seine
orangefarbenen Schlitzaugen. In Variationen war er immer vollständig
schwarz. Da er keine Geräusche machte, ist sein Name die in
Phantasieworte umgesetzte Art seiner Fortbewegung: Ein relativ
weiter Sprung nach vorne („Schwie!“), gefolgt von einem
doppelten, raschen Aufsetzen auf dem Boden („Böppöh.“ –
Das „h“ am Ende bedeutet, dass das davor stehende „ö“
genau wie das erste „ö“ offen ausgesprochen wird). Mit vier
gesicherten Erscheinungen gehört er noch zu den großen Drei
der Schreckgespenster.
Zu
den untergeordneten Geistern gehörte „Hack“.
Er hatte die Form eines langen schwarzen Zylinders mit einem
schwarzen Kegel als Spitze, einem gespitzten Bleistift nicht unähnlich.
Wie arglistig und verschlagen muss jemand sein, der ein Kind auf
folgende Weise ängstigt: Hack lag plötzlich des Nachts auf
meinem Plumeau, und zwar genau auf mir, so dass ich direkt auf
seine Spitze sah. Nach einer gewissen Zeit machte es plötzlich
„hack!“ (Name!), und seine Spitze brach ein Stück unterhalb
der Kegelbasis ab. Diese flog im Bogen nach hinten und
stach mir sodann augenblicklich in den Hintern, wo sie hängen
blieb. Dreimal bin ich mindestens darauf reingefallen.
Wie
auch der nachfolgende Bubu-Bubu-Geist bekam der „Wibbele-Wibbele-Geist“
eine etwas holperige Bezeichnung. Aufgrund der Seltenheit ihrer
Erscheinungen kam es nicht zu einer prägnanteren Namensgebung.
Der Wibbele-Wibbele-Geist ist quasi ein aufrecht stehender Hack,
dessen Spitze sich wie ein senkrechter Wimpel bewegt. Die
Sichtung des Wibbele-Wibbele-Geistes gab mir allen Anlass, mich
schleunigst aus meinem Traum wach zu rütteln. Nicht, dass er so
schlimm gewesen wäre; im Gegenteil: er stand nur da rum und
wedelte mit seiner Spitze. Aber seine Anwesenheit bedeutete
immer auch die unmittelbare Gegenwart eines oder mehrerer
Gespenster der oberen Kategorie, und ich hatte freilich nicht
viel Lust, deren Auftauchen abzuwarten.
Recht
hübsch gefärbt war der „Bubu-Bubu-Geist“. Seine Form entspricht der eines Richtungsweisers
an Verkehrs-Kreuzungen,
jedoch aufrecht stehend. Seine Grundfarbe ist
königsblau,
mit gelben, diagonalen Streifen. Aufgrund seiner Laute war er sehr
unheimlich. Er tauchte
nur ein einziges Mal auf, und
zwar in
folgendem Traum: Ich lag bäuchlings im Wohnzimmer, und überall
um mich herum lagen Geschenke. Zwischen diesen bunten Päckchen
sprang dieser seltsame Geist im Uhrzeigersinn um mich herum. Er
war nach rechts geneigt, so dass er immer mit der rechten
unteren Ecke auf dem Boden aufsetzte. Dabei machte er dumpf „buubu
- buubu - buubu ...“, wobei jedes „bu“ einen Aufsetzer
begleitete.
„Obasta“
tauchte ebenfalls nur einmal auf. Er gab weder Geräusche von
sich noch verursachte er andere Belästigungen. Ich glaube, er
geht auf eine große Vase zurück, die ich damals bei einer
Bekannten meiner Mutter sah und als unheimlich empfand.
Auch
von dem Geist „Klück“ gab es nur eine Erscheinung. Er sah aus wie eine
aufrecht stehende Blüte einer Glockenblume. Er war farblich in
drei gleich breite, horizontale
Schichten unterteilt. Von oben
nach unten blau, grün und lila. Er tauchte einmal dicht vor mir
auf und wich dann wieder zurück. Seine Schauerlichkeit sank,
als in diesem Traum zwei mir unbekannte Kinder Schokoladen-Klücks
verteilten, die in entsprechend gefärbte Folie eingewickelt
waren, ähnlich wie die beliebten Schoko-Ostereier.
Schließlich
waren da noch die „Bauze“: Kleine grüne Kleckse mit einer eigenartigen, bogenförmigen
Markierung. Sie taten mir
nichts zu Leide. Ich vermute sogar,
dass sie gutartig waren.
Wenn
ich eine der oben genannten Heimsuchungen erlebte, schrie und strampelte
ich in meinem Bett und rief nach meiner Mutter. Sodann spielte sich das
ab, was im ersten Kapitel erzählt wird. Das Rufen nach meiner Mutter
war fast immer wirkungslos, was die Geister betraf. Es half mir
lediglich, wach zu werden, doch dauerte es oft eine Weile, bis ich das
Schreien zustande brachte.
Ein
einziges Mal jedoch tauchte meine Mutter am Ende eines solchen
Alptraumes auf und jagte die ganze Bande zum Teufel.
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