Literatuä - Der Alex und ich - Kapitel 5  

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Episode 4

 

 

 

Übersicht

 

 

 

Episode 6

 

                                       

 

Der Alex und ich – Die weltbesten Luftzischenlasser

Episode 5: Mühlnweldschen, Buhnt-Buhnt und Schwieböppöh

Es wurde bereits erwähnt, das ich nachts grundsätzlich von Schreckgespenstern aufgesucht wurde. Entweder erschienen sie mir im Traum, oder ich sah sie im Halbschlaf in meinem Zimmer. Diese Wesen entsprangen alle meiner Phantasie. Es wäre jedoch falsch anzunehmen, dass ich sie mir bewusst ausgedacht hatte. Sie erschienen ganz einfach ohne mein Zutun. Ich hätte damals alles dafür gegeben, dass sie mich endlich in Ruhe ließen, so sehr fürchtete ich mich vor ihnen.

Die Schutzmaßnahmen, die ich ergriff, wurden auch schon erwähnt: Zum Ersten vermied ich es strikt, die Namen dieser Wesen tagsüber und insbesondere vor dem Schlafengehen auszusprechen, denn das hätte sie nachts garantiert auf den Plan gerufen. Zum Zweiten mussten meine Eltern abends das Flurlicht angeschaltet und meine Zimmertür offen lassen, denn Lichtkontakt war diesen Gespenstern absolut abträglich. Dummerweise gingen meine Eltern irgendwann selber zu Bett und knipsten das Flurlicht aus. In der Dunkelheit aber ließen die Gespenster nicht lange auf sich warten, und die offene Zimmertür, die mich eben noch schützte, wurde nun zu einem Problem, denn durch sie konnte ich im Zwielicht in den dunklen Flur hinaussehen, wo es noch viel schauriger zuging.

Da ich am Tage ein alberner Clown und Possenreißer war, nahmen meine Eltern meine Angst vor der hereinbrechenden Nacht nicht sonderlich ernst. Jeden Abend sagte mein Vater: „Ja, ja. Tagsüber frech wie Dreck, aber nachts Schiss in der Bux.“

Um zu verdeutlichen, welche Ängste ich damals ausstand, möchte ich die wichtigsten Gespenster hier kurz vorstellen.

Als Anführer der Monsterbande und mit mindestens einem Dutzend Heimsuchungen (an die ich mich heute noch erinnern kann) war „Mühlnweldschen“ der Schlimmste von allen. Sein Name ist die verschluderte Ausprache von „Mühlenwäldchen“. Wenn meine Mutter mich damals mit in die Stadt nahm, gingen wir immer durch das „Mühlenwäldchen“. Ich verstand dieses Wort noch nicht, sondern brachte es in Verbindung mit dem kurz nach dem Wäldchen auftauchenden Glockenturm der Erlöserkirche, den ich als ziemlich unheimlich aussehend empfand. So erklärt sich auch die Ähnlichkeit Mühlnweldschens mit diesem Kirchturm.

Ich brauchte nur seinen Namen auszusprechen und schon kam Mühlnweldschen angesprungen. Er war sehr hart, ähnlich dem Original-Kirchturm. Wenn er angesprungen kam, gab es ein Geräusch, das sich wie „kocko-kocko-kocko...“ anhörte. Oft hörte ich ihn schon, bevor er erschien. Schließlich sprang er mich an und schlug mit seinem Leib auf mich ein. Oft erschien er aber auch, ohne dass ich ihn nannte. Dann stand er plötzlich nachts in meinem Zimmer und machte schauerliche Geräusche. Sein Erscheinungsbild war recht variabel, ebenso seine Größe, jedoch war er immer an seinen drei „Rundbogenfenstern“, die ihm als Augen dienten, zu erkennen.  

„Buhnt-Buhnt“ brauchte grundsätzlich auch einen Auslöser um zu erscheinen: Es war das Herausstrecken der Zunge, verbunden mit einem „Bäh!“. Buhnt-Buhnt hatte meist die Form eines gleichschenkligen, schlanken Dreiecks, doch manchmal variierte seine Form. Seine Farbe war stets ein einheitliches leuchtendes Orange. Sein Name ist die Interjektion des dumpfen Geräusches, das er auf seinem Weg durch die Luft ständig von sich gab. Sein Erscheinen gab reichlich Grund zur Beunruhigung, denn sobald er nahe genug war, stürzte er sich auf mein Ohr und kratzte mit seiner oberen Spitze darin herum. Das klang dann wie „rölleröck!“. Da dies für mich sehr furchteinflößend war und ich mich an sechs Heimsuchungen erinnern kann, stand er dem Mühlnweldschen nicht viel nach.  

Der heimtückische „Schwieböppöh“ brauchte kein Kommando zum Auftauchen. Er erschien stets in Hausfluren, um sich von dort aus in ein Zimmer zu stürzen und sich auf sein Opfer zu schmeißen. Seine Form ist die eines Papierdrachens. Er ist halbseitig tiefschwarz, ansonsten dunkelblau. Dazu zeigte er für gewöhnlich seine orangefarbenen Schlitzaugen. In Variationen war er immer vollständig schwarz. Da er keine Geräusche machte, ist sein Name die in Phantasieworte umgesetzte Art seiner Fortbewegung: Ein relativ weiter Sprung nach vorne („Schwie!“), gefolgt von einem doppelten, raschen Aufsetzen auf dem Boden („Böppöh.“ – Das „h“ am Ende bedeutet, dass das davor stehende „ö“ genau wie das erste „ö“ offen ausgesprochen wird). Mit vier gesicherten Erscheinungen gehört er noch zu den großen Drei der Schreckgespenster.

Zu den untergeordneten Geistern gehörte „Hack“. Er hatte die Form eines langen schwarzen Zylinders mit einem schwarzen Kegel als Spitze, einem gespitzten Bleistift nicht unähnlich. Wie arglistig und verschlagen muss jemand sein, der ein Kind auf folgende Weise ängstigt: Hack lag plötzlich des Nachts auf meinem Plumeau, und zwar genau auf mir, so dass ich direkt auf seine Spitze sah. Nach einer gewissen Zeit machte es plötzlich „hack!“ (Name!), und seine Spitze brach ein Stück unterhalb der Kegelbasis ab. Diese flog im Bogen nach hinten und  stach mir sodann augenblicklich in den Hintern, wo sie hängen blieb. Dreimal bin ich mindestens darauf reingefallen.

Wie auch der nachfolgende Bubu-Bubu-Geist bekam der „Wibbele-Wibbele-Geist“ eine etwas holperige Bezeichnung. Aufgrund der Seltenheit ihrer Erscheinungen kam es nicht zu einer prägnanteren Namensgebung. Der Wibbele-Wibbele-Geist ist quasi ein aufrecht stehender Hack, dessen Spitze sich wie ein senkrechter Wimpel bewegt. Die Sichtung des Wibbele-Wibbele-Geistes gab mir allen Anlass, mich schleunigst aus meinem Traum wach zu rütteln. Nicht, dass er so schlimm gewesen wäre; im Gegenteil: er stand nur da rum und wedelte mit seiner Spitze. Aber seine Anwesenheit bedeutete immer auch die unmittelbare Gegenwart eines oder mehrerer Gespenster der oberen Kategorie, und ich hatte freilich nicht viel Lust, deren Auftauchen abzuwarten.

Recht hübsch gefärbt war der „Bubu-Bubu-Geist“. Seine Form entspricht der eines Richtungsweisers an Verkehrs-Kreuzungen, jedoch aufrecht stehend. Seine Grundfarbe ist königsblau, mit gelben, diagonalen Streifen. Aufgrund seiner Laute war er sehr unheimlich. Er tauchte nur ein einziges Mal auf, und zwar in folgendem Traum: Ich lag bäuchlings im Wohnzimmer, und überall um mich herum lagen Geschenke. Zwischen diesen bunten Päckchen sprang dieser seltsame Geist im Uhrzeigersinn um mich herum. Er war nach rechts geneigt, so dass er immer mit der rechten unteren Ecke auf dem Boden aufsetzte. Dabei machte er dumpf „buubu - buubu - buubu ...“, wobei jedes „bu“ einen Aufsetzer begleitete.  

Obasta“ tauchte ebenfalls nur einmal auf. Er gab weder Geräusche von sich noch verursachte er andere Belästigungen. Ich glaube, er geht auf eine große Vase zurück, die ich damals bei einer Bekannten meiner Mutter sah und als unheimlich empfand.  

Auch von dem Geist „Klück“ gab es nur eine Erscheinung. Er sah aus wie eine aufrecht stehende Blüte einer Glockenblume. Er war farblich in drei gleich breite, horizontale Schichten unterteilt. Von oben nach unten blau, grün und lila. Er tauchte einmal dicht vor mir auf und wich dann wieder zurück. Seine Schauerlichkeit sank, als in diesem Traum zwei mir unbekannte Kinder Schokoladen-Klücks verteilten, die in entsprechend gefärbte Folie eingewickelt waren, ähnlich wie die beliebten Schoko-Ostereier.  

Schließlich waren da noch die „Bauze“: Kleine grüne Kleckse mit einer eigenartigen, bogenförmigen Markierung. Sie taten mir nichts zu Leide. Ich vermute sogar, dass sie gutartig waren.  

Wenn ich eine der oben genannten Heimsuchungen erlebte, schrie und strampelte ich in meinem Bett und rief nach meiner Mutter. Sodann spielte sich das ab, was im ersten Kapitel erzählt wird. Das Rufen nach meiner Mutter war fast immer wirkungslos, was die Geister betraf. Es half mir lediglich, wach zu werden, doch dauerte es oft eine Weile, bis ich das Schreien zustande brachte.

Ein einziges Mal jedoch tauchte meine Mutter am Ende eines solchen Alptraumes auf und jagte die ganze Bande zum Teufel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Episode 4

 

 

 

Übersicht

 

 

 

Episode 6