Von mir über mich - Abspecktagebuch  

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Toms Abspecktagebuch

Toms Stationen auf dem Weg zurück zum schmalen Handtuch:

„Wer den Krieg überstehen will, muss selbst zum Krieg werden.“ (John Rambo)

Das Duell des Jahres liefern sich Beka und Tom. Beide kamen zur Erkenntnis, dass sie ein paar Kilo loswerden wollen. Jetzt haben sie gewettet, wer sein Wunschgewicht zuerst erreicht.
In der roten Ecke: Rebekka Winter, mit einem Startgewicht von 59,4 kg, möchte 8 kg verlieren und damit auf ein Wunschgewicht von 51,4 kg kommen. Sie gilt als Abspeckexpertin und wirft ihr gesamtes Wissen in die Waagschale.
In der blauen Ecke: Thomas Regnery, mit 91,6 kg in etwa so massereich wie ein kleiner Planet, ist wild entschlossen wieder unter die 80-Kilo-Marke zu fallen. Dazu muss er 12 kg seiner Körpermasse Lebewohl sagen, denn erst dann zeigte die Waage die ersehnten 79,6 kg an.
Die Regeln – keine. Außer der, dass zu Frühlingsanfang, also am 21.03.2010 Stichtag ist. Dann wird abgerechnet. Der Verlierer muss den Gewinner piekfein zum Abendessen ausführen, und zwar in Köln in einem feinen Restaurant. Der Wetteinsatz tut also richtig weh.
Ring frei! *ding ding ding*

26.11.2009 – Bestandsaufnahme:

Essensgewohnheiten: Zum Frühstück meistens nix, mittags Döner, Pizza, Chines´ oder Currywurstpommes, abends: McDoof, so ca. für 15 bis 20 Euro, locker viermal die Woche, dazwischen immer Süßigkeiten Massendemeng. Eine Tafel Schokolade in 5 Minuten auf Ex. Eine Packung Kinderriegel hinterher. Eine Tüte Colorado passt auch noch… und das bei sportlichen Aktivitäten, die von Null nur wenig verschieden sind. Hier der Plan:

► Kalorienzufuhr auf 1200 pro Tag senken. Eben ein bisschen weniger essen. Aber langsam absenken, sonst schaltet der Körper auf Sparflamme und alles ist für die Katz.
► täglichen Bewegungsumfang drastisch erhöhen. Abends habe ich zwar weder die Lust noch die Zeit dazu, doch morgens die Stunde zwischen Anja-in-den-Kindergarten-bringen und Laden-aufmachen bietet sich geradezu an. Ich such mir einfach ein paar Berge aus, von denen ich jeden Morgen einen erklimme. Wär doch gelacht.
► Jeden Tag 3 Liter Wasser trinken
► Morgens und Abends eine halbe Zitrone in den Sprudel pressen und ab dafür
► Das Essen ein bisschen sorgfältiger einteilen: Morgens mehr Kohlenhydrate fürs Hirn, abends mehr Eiweiß zum nächtlichen Fettabbau. Zusammen mit der Zitrone sollte das funktionieren. Also, los geht´s.

28.11.2009 – Aller Anfang ist immer schwer

Von 478 m auf 618 m, das ist ein Höhenunterschied von 140 m, und das auf eine Gesamtstrecke von 4 km. Für einen Sportler ist das eine Lachnummer. Und tatsächlich, unterwegs begegnen sie mir alle: Gertenschlanke, drahtige „Mountainbiker“, „Jogger“ und „Nordic-Walker“, in meinem Neid auf ihre sportliche Ausdauer von mir stets Trampelaffen, Schuhsohlenflatscher und Stöckchenschleifer genannt, passieren mich ab und an mit der selben Leichtigkeit, mit der sie „unfitten“ Menschen wie mir immer gerne ihren Bewegungsmangel und ihre falsche Ernährung vorpredigen. Für sie ist es nicht vorstellbar, dass jeder hundertste Meter auf meinem Weg zum Aussichtsturm hinauf ein Grund zum Jubeln für mich ist, und dass jeder erklommene Eifelhügel zu meinem eigenen kleinen Achttausender ohne Sauerstoffgerät wird.
Damals, 1994, da hab ich den Ben Nevis, den höchsten Berg Großbritanniens, an einem halben Tag erstiegen, und heute bin ich am keuchen, wenn ich die trödelige Dietzenley hinaufgehen will.
Doch es geht. An jedem Tag, an dem ich den Aufstieg neu in Angriff nehme, kommen die Seitenstiche später, lassen die Schmerzen in den Waden etwas länger auf sich warten. Mein verhasstes Sprudelswasser, von dem ich einen Vorrat mitführe, lindert mit seinen Mineralstoffen diese Ausfallerscheinungen. Die Erkenntnis, was ich mir und meinem Körper in den vergangenen Jahren durch pure Vernachlässigung angetan habe, spornt mich zusätzlich an.
Sechzig Meter unterhalb des Aussichtsturms erwartet mich die schlimmste Steigung des Weges. Um die 25% dürften es sein. Der schnurgerade, steil bergauf führende Pfad flüstert mir zu: Kehr um, geh nach Hause und mach Frühstück, hast für den Anfang genug geleistet! Und dann plötzlich ein Bild in meinen Kopf: Ich sitze vor einem großen leergeputzen Teller in einem Kölner Nobelrestaurant und nestele an einer Packung Rennie herum, während eine grätenschlanke Beka mit Stirnschweißband sich hämisch grinsend mit der Serviette die Lippen abtupft und sich diebisch darauf freut, dass ich im nächsten Moment den Kellner um Rechnung bitte. Kurz darauf hallt es durch den Gerolsteiner Wald, über die Moss hinweg und von der Felswand der Munterley zurück: „NEEEEIIIIIIINNN!!!“ und „NIEMAAAAAAALS!!!“ und ich stapfe voran. Den Berg vor mir habe ich auf jeden Fall eingeschüchtert. Er gibt sich geschlagen. Und keine Dietzenleybesteigung ohne das traditionelle Erklimmen des Aussichtsturms, womit aus den 618 m dann ganz locker 625 m werden! So muss sich Rocky Balboa in „Rocky IV“ gefühlt haben, als er den Berggipfel kurz vor dem Kampf erklommen hatte.

So, und jetzt geh ich zum Griechen schmackofatzen.

 

02.12.2009 – Der Kessel beginnt zu heizen

Es ist bemerkenswert. Zwar hänge ich noch an der 90-Kilo-Barriere, aber daran will ich es jetzt erstmal nicht festmachen. Tatsache ist, dass das tägliche Bewegungspensum auf einmal anfängt, richtig Spaß zu machen, und zwar deshalb, weil der Körper anfängt mitzuziehen. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach, so heißt es. Aber mittlerweile, nach nicht einmal einer Woche, merke ich, wie meine Beine zu Beginn eines ganz gewöhnlichen Spaziergangs nicht mehr diese Och-Menno-muss-dat-sein-Einstellung haben, sondern sogar fast schon dauerlaufen wollen. Es geht bereits leichter – ein Zeichen dafür, dass der Stoffwechsel die neuen Bedingungen akzeptiert hat.

 

03.12.2009 – Erste Barriere geknackt

Der erste große Erfolg: Erstmalig wurde heute die 90-Kilo-Barriere überwunden, und zwar nach unten, logisch, denn nach oben ist es ja keine Barriere, sondern ein Wurmloch.
89,9 kg – mal sehen, was Beka dagegenzusetzen hat...

 

03.12.2009 – Es wird eng

Wenn das keine Hiobsbotschaft ist: Beka hat schon ein Viertel des Weges geschafft und ich krebse noch bei nem schlappen Sechstel rum.
Ich darf mich jetzt nicht verrückt machen. Muss mich an meinen Plan halten. Heute Mittag während meines ausgiebigen Marsches fiel den Wolken plötzlich wieder ein, dass sie mich ja noch waschen wollten, und so war die Aktion dann nicht unbedingt so erquicklich wie die Tage davor.
Aber egal... ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss

 

06.12.2009 – Drauf ist es immer wieder schnell

Ein Tag der Sünde. Gestern habe ich mir erlaubt, nach über einer Woche eiserner Disziplin ein wenig über die Strenge zu schlagen. Unter anderem gabs ein köstliches Grillessen mit Freunden abends um halb Neun. Entsprechend fällt heute Morgen das Verdikt der Waage aus. Nicht beunruhigend, aber deutlich. Reden wir nicht drüber – in wenigen Minuten gehts raus in den strömenden Regen.
Keine Schmerzen... Keine Schmerzen...

 

08.12.2009 – Jetzt heißt es eisern bleiben

Frust. Renne hoffnungslos gegen den 89-Kilo-Barriere an. Das ist der Moment, wo man normalerweise denkt "Scheisnhunddruff". Diesmal ist der Fall jedoch anders geartet. Deshalb wird jetzt der Plan unverändert und gnadenlos durchgezogen. Und einen Gang auf die Waage gibt´s erst wieder am Morgen des 24. Dezember. Oberbasta.

 

14.12.2009 – Krieg gegen die Wampe

Das Täuschungsmanöver gelang. In dieser Nacht konnte die lang umkämpfte Stellung bei 88Kilo eingenommen werden. Der Feind erlitt schwere Verluste und wurde weit zurückgeschlagen. Stellung inzwischen gesäubert und unter Kontrolle. Späher beobachten die feindlichen Truppen beim Sammeln auf halbem Weg zum 87Kilo-Vorposten. Bereiten nun unsererseits die Offensive auf diese taktisch wichtige Stellung vor.
87,5 kg diesen Morgen.

 

16.12.2009 – Na also, geht doch.

86,6 kg. Na, wer sagt denn, dass der Frosch keine Haare hat? Noch ein Kilo bis zum Bergfest. Wenn´s so weiter geht, wird mein Sieg erdrutschartig artig sein. Beka, zieh´ dich warrrrrrm an, hahaaaa

 

20.12.2009 – Abnehmen hat Nebenwirkungen!

Diese wären:
- ich schnarche nicht mehr
- ich triefe nicht mehr wie ein Kieslaster wenn ich mich anstrenge
- mein Bauch wackelt nicht mehr beim Zähneputzen
- niemand reibt mir mehr über den Bauch und hofft, dass es Glück bringt
- wenn ich auftauche, singt niemand mehr "Walkampf" von den Toten Hosen
und seitdem ich mir jeden Tag eine Magnesiumbrausetablette auflöse und trinke, sind die Schmerzen in den Waden wie weggeblasen und ich renne durch den Wald wie ein HB-Männchen. Ich habe schon längst gewonnen, zwar nicht die Wette, aber das kommt auch noch...
Ach ja, gestern hat die Internationale Astronomische Union den Planeten "Tomsbauch" zu einem Zwergplaneten zurückgestuft. Angestrebt wird jedoch ganz klar der Status "Asteroid"... was passend wäre, schließlich möchte ich wirklich ohne Steroide auskommen.
84,200 kg. In Worten: Vierundachtzig, Gramm wie nebenstehend.
Das war´s für heute, Leute.

 

26.12.2009 – Schadenanalyse

Dieses Weihnachtsfest wird als "Zunahmi-Katastrophe" in Erinnerung bleiben, soviel ist mal sicher. Zwar ist das Abspeck-Unwetter "Weihnachtstage" noch in vollem Gange, doch am Horizont wird es nun schon langsam wieder hell. Zeit, um einmal vors Loch zu schauen für eine erste Schadensaufnahme.
Resultat: Die Ergüsse der Braten- und Schoko-Niederschläge waren verheerend. Sie lösten eine Lawine aus, die all das mühsam freigelegte Bauchgewebe mit zwei Kilo Speckmasse verschüttete. Die Aufräumarbeiten werden mindestens zwei Wochen dauern. Bevor sie den Ausnahmezustand ausrufen, möchten die zuständigen Katastrophenschutzbehörden jedoch erst einmal abwarten, ob das neue Jahr vielleicht wenigstens im 85-Kilo-Bereich begonnen werden kann.

 

05.01.2010 – Der Dampfer ist wieder auf Kurs
 

Nein, nicht der Mampfer, der Dampfer! Das war metaphorisch! Wenn man etwas metaphorisch meint, meint man es nicht wörtlich.
Zu unser aller Freude – außer Bekas und ihrer Cheerleader – konnte heute Morgen das Vorweihnachtsgewicht wieder verzeichnet werden. Damit sind die Stromschnellen so ziemlich schadfrei überwunden. Bis zum 21. März sind die Wasser ruhig. Perfekte Voraussetzungen also für meinen Triumph.
84,4 kg

 

11.01.2010 – Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen

Wir sind nun beide an einem Punkt angelangt, wo Erfolge sich nur langsam, oder für längere Zeit auch gar nicht einstellen wollen. Das erschwert das Eisernbleibern doch sehr. Was von Anfang an klar war, wird nun einig ausgesprochen: Die Wette diente nur zum gegenseitigen Anstacheln, als Ansporn, es endlich anzupacken. Wir haben beide schon gewonnen, denn was wir in der kurzen Zeit für uns und unser Wohlbefinden erreicht haben, ist mehr als beachtlich. Ganz gleich, wie es am 21.3. aussieht. Also Handschlag und Waffenstillstand... und dann geht meine Waage heute Morgen hin und zeigt 83,1 Kilo an, die blöde Kuh.